Der Traum erfüllt sich!

Ein handgemachter Schuh ist schon etwas ganz besonderes. Das lassen sich betuchte Menschen schon mal bis zu 3000 € kosten. Bei mir fangen sie bei 850 € an.

 

Was aber macht einen handgemachten Schuh überhaupt so reizvoll?

Das sind drei Dinge:

 

• Passform
• Individualität
• Haltbarkeit

 

Gibt es die denn nur bei handgemachten Schuhen?

Die Passform kann man bei handgemachten Schuhen an jeden Fuß anpassen. Deshalb ist bei extremen Fußformen ein Leisten nach Maß ein Muss! Wer hat aber einen extremen Fuß? Die Wenigsten! Eigentlich fühlen sie sich in einem Konfektionsschuh wohl. Etwas einlaufen und alles ist gut, nichts anderes wie bei „handmade“. Individualität und Haltbarkeit kann man auch in einen Konfektionsschuh einbauen. Der Vorteil für den Schuhträger: Viele hundert Euro Ersparnis mit den gleichen Vorteilen eines handgemachten Schuhs.

 

Deshalb meine Empfehlung:

Kaufen Sie sich einen guten Schuh (100-200 €). Wenn die erste Reparatur ansteht, wissen Sie, ob ihnen der Schuh gut passt. Jetzt kann entschieden werden, ob das Oberleder langlebig ist. Dies ist die wichtigste Eigenschaft für eine Reparatur! Ist dies der Fall, entscheiden sie, ob eine normale Reparatur gemacht wird, oder ob „Qualität wie handgemacht“ entsteht. Dies kann dann, je nach Wunsch, durchaus über 100 € kosten. 100% Individualität und Haltbarkeit inklusive! Und die Gesamtkosten: nicht mal die Hälfte eines Handgemachten.

Reizvoll, oder?


Design

Aufgefallen ist es mir schon vor vielen Jahren. Ein Kunde hatte eine „Kenzo“-Stiefelette mit einer sehr dünnen Gummilaufsohle. Weil die Optik des Schuhs nicht verändert werden durfte, sollte auf Wunsch des Kunden, wenn die Absatzecke abgelaufen war, die Sohle komplett ersetzt werden. Durch die Dünne des Materials geschah das relativ schnell! Ich hätte auch nur einen Teil der Sohle ersetzen können, natürlich mit dem gleichen Material. Nein, sollte nicht sein.
Eine andere Kundin meinte, auf eine unbedeutende, aber sinnvolle Reparaturvariante von mir angesprochen: “Nein, das ist ein „Unützer“-Schuh!“
Ich habe schon viele Designer und Marken in den Fingern gehabt und repariert. An so manchen „Boss“, „Bally“ oder „Joop“ kann ich mich erinnern, die, vom Material, Konstruktion und Verarbeitung her gesehen nicht vom Meister, eher vom Designlehrling stammen müssten. Eher peinlich! Da frage ich mich schon, ob die Designer überhaupt wissen, was unter deren Namen alles für „Schrott“ verkauft wird?
Letztens, bei einer Reparaturberatung ging es bei einem „Designer“-Herrenschuh darum, ob der Absatzfleck 5 mm wie original, oder 6 mm (mein Standard) haben könnte. Die Kundin hat sich gegen die Vernunft und für den Designer entschieden!
Ich selbst hatte 2 Jahre meines Schuhmacherberufslebens mit Modelleuren (so ähnlich wie Designer) in der Schuhindustrie zu tun. Kreativität, klar! Technik, O.K. Da hat nur dauernd jemand dazwischen gefunkt....
...die Kalkulationsabteilung! Seit dem weiß ich, das Schuhe, wahrscheinlich auch andere Industrieartikel, nicht erst konstruiert und dann kalkuliert werden. Das wird umgekehrt gemacht! Zuerst wird ein Preis festgelegt, den eine bestimmte Art Schuh kosten soll. Dann sieht man, was man machen kann. Dabei spart man sich Cent-Beträge für z.B. sinnvolle Verstärkungen, weil die Kalkulation dann nicht mehr stimmt! Geht es Designern anders?
Designern geht es vermutlich nicht um die Kosten. Letztens hatte ich einen Sneaker zur Reparatur, der nach Auskunft meines Kunden regulär ca. 340 € kostet. Ähnlich gebaut wie „Chucks“, nur schlechter. Wenn ich eine Note für die Sohlenkonstruktion geben müsste, bekäme er höchstens eine 4-.

Die Erkenntnis daraus ist, dass Design nicht zwingend mit Qualität zu tun hat. Man kann mit und ohne Qualität gestalten. Das hat mit dem Ziel der gestaltenden Person zu tun.
Ich selbst habe die Qualität zum Ziel und sehe dann, wie schön man das machen kann. Dabei kommen oft sehr gute Ergebnisse heraus.
Letztlich ist aber alles Geschmacksache. Dem einen schmeckt es, wenn ein bestimmter Name auf dem Produkt steht, der andere leckt sich die Finger, wenn es einfach nur gefällt. Der Name ist egal. Wenn etwas sein Geld wert sein soll, kommen noch einmal andere Prioritäten auf den Tisch. Das kann dann ein „No name“ oder ein Designer sein. Je nachdem, was sein soll, ist der Kunde ziemlich allein gelassen. Was kann er erkennen? Qualität und Langlebigkeit? Reparierbarkeit mit Erhaltung des Stils?
Letztlich ist ausprobieren die Empfehlung. Die Marke finden und dabei bleiben. Stimmt der Stil? Stimmt die Qualität? Jeder Hersteller hat seine Philosophie, was sein Produkt angeht. Sie haben die Wahl!!! Sehen Sie genau hin. Und, was muss schon so bleiben, wie es ist? Alles ist verbesserungsfähig, ohne Ausnahme! Denn: nur Ihr Geschmack zählt! Design hin oder her.


Perfekt - was ich auch mal nicht hinbekomme

Richtig gute Reparaturen, haltbar, kreativ und zum angemessenen Preis, das kennen Sie von mir. Das kann ich wirklich ziemlich gut!

 

Was ich leider nicht so gut kann, und das möchte ich auch einmal zur Sprache bringen, ist, immer pünktlich zu sein. Bei entsprechenden Umfragen über Handwerk und Dienstleistung steht die Eigenschaft „Pünktlichkeit" immer auf den oberen Plätzen. Ich bin jetzt im 25. Jahr meiner Selbständigkeit und muss mir selbst eingestehen: Absolute Pünktlichkeit kriege ich nicht hin. Dafür fehlen mir die Gene. Es gibt Kollegen, die gehen erst aus der Werkstatt, wenn alle Arbeit erledigt ist. Wie die das machen ist mir schleierhaft. Nehmen die aufwändige Arbeit erst gar nicht an? Haben die den absoluten Überblick, was sie an diesem Tag bewältigen können? Kommt nie etwas wichtiges dazwischen? Können sie sich zu Arbeiten zwingen, von deren Ergebnis sie noch keine Vorstellung haben? Ich gebe zu, es gibt Arbeiten, die gehe ich erst zum „richtigen" Zeitpunkt an. Das hat aber nichts mit Mond und Sternen zu tun. Den richtigen Zeitpunkt habe ich im Gefühl, dann werden die Arbeiten auch besser. Fragen Sie mich nicht, womit das zusammenhängt, ich weiß es selbst nicht.

 

Die fehlende Pünktlichkeit möchte ich für Sie aber mit anderen Möglichkeiten ausgleichen. Da habe ich inzwischen einiges in petto, das ich Ihnen anbieten kann.

 

- Das Einfachste ist die telefonische Nachfrage von Ihnen

 

- Rückruf von mir, wenn die Arbeit fertig ist (AB)

 

- SMS,           - II -

 

- E-Mail,         - II -

 

Teilen Sie mir bei Abgabe der Schuhe mit, welchen Service Sie bevorzugen.

 

Wichtig:

Wenn ich auf dem Abholschein „ab 15 Uhr" notiere, ist es auch sehr wahrscheinlich, dass die Arbeit erst ab 15 Uhr fertig ist. Kommen Sie nicht früher, oder rufen Sie vorher erst an. Dann kann ich den Schuh unter Umständen auch früher fertigmachen.

Ein Kreuzchen auf dem Abholschein bei „telefonisch nachfragen" bezieht sich nicht nur auf den evtl. angegebenen Tag, sondern grundsätzlich auch auf spätere Tage!

 

 

Stöbern Sie sich durch meine Webseite, da gibt es interessantes zu entdecken. Ein „like" auf meiner Facebook-Seite wäre auch schön.

 


 

Die (relativ düstere) Zukunft des Schuhmachers oder:

Wir bleiben bei unseren Leisten - letzte Generation

 

Wagner ist ein Beruf, den kennt kaum noch jemand. Wer braucht denn schon Wagenräder, wenn keiner mehr ein Pferd davor spannt.

Täschner ist ein Beruf, den kennt kaum noch jemand. Täschner kommt von Tasche, der kann sie herstellen und reparieren. Taschen gehören inzwischen auch schon zu den Wegwerfartikeln und sind Industrieware, oder wer stellt die her?

Schuhmacher, das wissen noch die meisten, ist auch ein Beruf. Viele haben einen Vater oder Opa, der einer war. Da gibt es tolle Geschichten von Schuhmachern, selbst erlebt oder in Erzählungen. Die Literatur hat auch einiges zu bieten, von Tolstoi bis Astrid Lindgren. Schuhmacher waren immer besondere, schräge oder grantige Typen. Ich kann mich sogar an einen Spielfilm erinnern, in dem Al Pacino neben Michelle Pfeiffer in einer Schuhmacherei ein Paar reparierte Schuhe abholt.

Was muss passieren, damit ein Beruf verschwindet? Beim Wagner ist es klar, Schuhmacher gibt es ja, noch. Der Vorteil des Schuhmachers ist, der Mensch wird immer Schuhe tragen. Ausschlaggebender ist die Frage: welche? Wenn Menschen, die ihren Hintern in feinstes Leder in ihrem Auto betten, und dann zum Discounter Schuhe aus Plastik einkaufen gehen, dann hat das nichts mit Geldmangel zu tun. Zeichen der Zeit?

Hier heißt das Wort wohl Wertewandel, garniert mit einem gehörigen Schuss Modediktat. Je kurzlebiger die Mode, desto schneller der Wechsel der Kleidung. Wenn ich einen Schuh nur noch ein Jahr tragen kann, lohnt sich ein guter Schuh nicht!

Eine englische Adelige sagte einmal: Mode ist etwas für die, die ihren Stil noch nicht gefunden haben! Mag sein. Eins steht aber fest: Die Schuhmacher werden aussterben, bis auf einige, die in ihrer Umgebung noch Kunden haben, die den Wert eines guten Schuhs erkennen. Und das muss kein Handgemachter sein!

Die Anderen gehen regelmäßig zur Fußpflege. Teils, weil es schick ist und sie es sich leisten können, teils, weil es notwendig ist. Ein Billigschuh ist nun mal kein Ort, wo sich ein Fuß wohl fühlt. Zu viel Freiheit oder zu viel Enge, das bekommt auch keinem Fuß! Stellen sie sich vor, sie müssten, so wie ein Fuß in Billigschuhen,  jedes Jahr in eine andere Wohnung umziehen, was für ein Stress!

Neben dem Beruf des Fußpflegers ist auch der Beruf des Orthopädieschuhmachers zukunftsweisend! Wenn es zu spät ist, müssen die Füße versorgt werden, denn ab diesem Punkt gibt es kein zurück mehr. Das muss ich wiederholen: kein zurück mehr!

Ein kaputter Fuß bleibt kaputt. Die Operation hat nur Chancen von 50 zu 50, von schmerzfrei bis viel schlimmer. Ein bischen ist das wie mit den Zähnen. Die Eigenen pflegen und behalten oder Gebiss? Auch da geht leider der Trend in zwei Richtungen. Die einen pflegen und erhalten, die anderen nehmen lieber die Option Ersatz.

Auch wir Schuhmacher können nicht am Rädchen der Zeit drehen. Wir werden uns, so weit wir es erkennen, den Bedürfnissen unserer Kunden anpassen und so gut es geht diese vom Besseren überzeugen. Der Bestand aller Berufe hängt in erster Linie davon ab, ob genügend Kunden vorhanden sind, die den Wert der Leistung erkennen. Die Anderen bekommen davon nichts mit, bis sie die Konsequenzen spüren.

So gesehen gehöre ich sicher zur letzten Generation von Schuhmachern, die ihre guten Kunden noch haben, die aus immer größer werdenden Entfernungen kommen und froh sind, diese Leistungen noch zu bekommen. Dafür bin ich sehr dankbar!

 

Matthias Schmid-Hügel

 

Der Vorteil des Schuhmachers ist: Der Mensch wird immer Schuhe tragen!

 


Die Geschichte zum Muschelbild

 

Mein Kunde wandert seit Jahren fortlaufende Etappen auf dem „Camino" nach Santiago de Compostella. Bisher haben Ihn seine Wanderschuhe permanent größte Schwierigkeiten bereitet. Eigentlich eingelaufene Wanderschuhe, aber sehr empfindliche Fersen. Abendliche Wundversorgungen durch die Mitpilger und frühzeitiger Abbruch der Pilgerwanderung waren die regelmäßige Folge. Nach einem Gespräch mit ausführlicher Beschreibung des Problems und Begutachtung der Schuhe in meiner Werkstatt entschied ich mich für eine „Totaloperation", d.h. Entfernung der Hinterkappe.

 

Vor ein Paar Tagen besuchte mich dieser Kunde und überreichte mir die Muschel, als Dank für die diesjährige, absolute Schuh- und Fersenproblemlose Pilgerwanderung.

 

Vielen, vielen Dank für das Geschenk und diese Rückmeldung. Die Freude ist auch ganz auf meiner Seite, denn sie zeigt, dass man am Schuh doch viel ändern und verbessern kann.